Call-Boy auf ZEIT – Betrug, Lotterie und Jugendschutz im Call-Center
Bei „Call-Center“ kommt die Assoziation „Telefonsex“ entweder immer, oder nur, wenn man eine versaute Phantasie hat. Auf einem von beiden Wegen kam auch die hypothetische Überschrift
Wallraff als Call-Boy – neue Enthüllungen aus dem Telefonsexgeschäft
zustande. Wallraff hätte doch mal eine Story über die Telefongewohnheiten gelangweilter, frustrierter Telefonsexhotline-Kundinnen, oder Diätberatung am Telefon, also etwas konstruktives, machen können, aber nein:
Wallraff, der Quotenbringer, der meistgelesene Artikel bei Zeit-online von heute – zu Teilen frei erfunden, schreibt an seinem eigenen Mythos; man kann es erkennen, aber nicht beweisen:
Im Rückspiegel erkenne ich, wie ein Polizist auf dem Motorrad hinter mir herrast, sich dann mit schwungvoller Eleganz vor mich setzt und mich zum Halten veranlasst. … „Herr Kollege, ich bin verdeckt im Einsatz und habe es sehr eilig….“ …
Dazu sind Rückspiegel da!
„Ich meine das mit dem verdeckten Einsatz natürlich im übertragenen Sinne“, stammele ich, „… Mein Name ist Günter Wallraff.“ Da schaut er mich durchdringend an, schüttelt den Kopf und sagt: „Der sind Sie nicht, das Gesicht kenn ich.“ Daraufhin kläre ich ihn auf,…“ … Wir verabschieden uns mit Handschlag.
Welcher Polizist sollte denn Wallraffs Gesicht kennen, und warum? Hat der Polizist beim Handschlag den Handschuh ausgezogen? Hat der Handschlag wirklich stattgefunden – oder ist er nur frei erfunden, wie die Erregung des Callboys?
Ärgerlich an der Geschichte, dass sie so lang ist, und sie zu lesen irgendwie auch Zeitverschwendung. Es gibt Callcenter, und was da geschieht, ist selten ganz legal – ansonsten: Nichts Neues.
Die ZEIT kann mit dem Artikel Quote machen, routinierter Bild-Zeitungsstil hält beim feinen Blatt Einzug, usw …
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